An- & Verkauf: Richtig Einkaufen

Stöberparadies A & V

Zum Herumstöbern und Suchen von Ersatzteilen ist ein An- und Verkauf bestens geeignet. Nicht nur Möbel, Kleidung und Bücher sondern auch Haushaltgeräte und Unterhaltungselektronik werden dort gehandelt. Da ich selber jahrelang in solch einem Geschäft tätig war kenne ich auch einige Gepflogenheiten und Richtlinien an die sich auch ein A+V halten muß.

Ein schlechtes Geschäft umgeht sämtliche Eigenaufwendungen imdem es die Ware beim Ankauf nicht mal genau anguckt, sondern gelangweilt beiseite legt und gleich wieder zum Verkauf anbietet.
Man erkennt dies schon wenn man an der Verkaufstheke steht, keine Steckdosen, kein Antennen- oder SAT-Anschluß und von einfachen Prüfgeräten ist auch nichts zu sehen.
Der Verkäufer legt nach eigenen Ermessen einen Preis fest  ohne auf Besonderheiten, Zubehör oder aktuellen Marktwert der angebotenen Ware einzugehen. Auch zerkratzte Gehäuse, abgestoßene Ecken und angeknabberte Fernbedienungsknöpfe scheinen kein Problem darzustellen.
Beim darauffolgenden Verkauf beruft sich der Händler auf die sogenannten A+V-Gepflogenheiten,
"nix Garantie" und " Kauf, wie gesehen"
Das ist grundsätzlich falsch, denn ein A+V ist bzw. sollte kein Ramschladen oder ein Umschlagplatz für Sperrmüll sein. Hier hat der Gesetzgeber bereits 2002 aufgrund eingeführter EU-Richtlinien im BGB unter dem § 434 eindeutige Vorgaben erlassen.

Dazu eine kurze Erklärung: Neuwaren sind diese, welche z B. aus Konkursmasse stammen, von  Großhandel oder Zwischenhandel bezogen wurden. Erkennbar sind sie an der Originalverpackung. Hier greift die gesetzlich vorgeschriebene Garantiepflicht, in der Regel zwei Jahre. Bei Gebrauchtware darf sich der A+V-Verkäufer nicht auf "Privatkauf ohne jegliche Gewährleistung" berufen, da er ja als Gewerbetreibender mit Steuernummer geführt wird. Deshalb ist auch bei angeblichen Schnäppchen im Internet Vorsicht geboten, wenn ein Privatverkauf unter Gewährleistungsauschluss angeboten wird. Meistens weiß der Anbieter, daß seine Ware Mängel hat und in dem Falle ist von offensichtlicher Betrugsabsicht auszugehen, es sei denn, daß das Angebot ausdrücklich als "Bastelware" zu einem entsprechenden Preis angeboten wird oder die Mängel genau beschrieben werden.  Auf jeden Fall sollte man sich mit dem  § 434 BGB  befassen. Sollte sich aber herausstellen, daß sich ein Gewerbetreibender als Privat ausgibt, kann er dadurch sein Geschäft verlieren.
Zu vermuten ist es daran, daß ein "Privatverkauf" regelmäßig Ware in größeren Mengen online anbietet. Natürlich sei eine umfassende Video- oder CD - Sammlung davon ausgenommen.

Einen guten und ordentlich geführten Laden erkennt man schon an einem dekorativ und informativ gestaltetem Schaufenster, an übersichtlich angeordneter Ware und einem Preisaufkleber. Ganz vorbildlich sind Geschäfte, wo auf einem kleinen Zettel die Eigenschaften des angebotenen Gerätes in Kurzform aufgeführt sind, z.B. bei PC-Technik.
Schon kann sich der Kunde selbst informieren. Am Verkaufstresen steht ein internetfähiger PC woran der Verkäufer seine Preise anhand einiger Vergleiche rechtfertigen kann. Vorbildlich auch, wenn diverse Chipkarten bereitliegen und Handys damit gleich vorgeführt werden können. Das schafft Vertrauen und der Kunde kommt auch gern wieder. Natürlich sitzt der Händler nicht im Gerät und kann auch nicht weissagen, wie lange das Gerät noch funktioniert aber das Vorführen bringt eine gewisse Sicherheit mit sich.
Man kann auch eine Kulanzregelung aushandeln: bei uns im Geschäft war die Garantie/ Gewährleistung  für gebrauchte Weißware (Waschmaschinen, Kühlschränke) und für Braunware (Elektro- und Gasherde) ein halbes Jahr und für alle anderen gebrauchten elektrischen und elektronischen Geräte 14 Tage.
So konnte es der Kunde auch gut sichtbar lesen und sich seinen Kauf überlegen. Damit ist natürlich auch der Verkäufer auf der sicheren Seite.

Beim Ankauf wurden bei uns die Geräte kurz auf Funktion getestet und dann in der Werkstatt gründlich geprüft. Besonderes Augenmerk richteten wir auf Verschleißteile. Dann wurde das Gerät gründlich gereinigt und ging wieder in den Verkauf. Beim Verkaufen wurde es dann nochmal vorgeführt. Und auch wenn die offizielle Gewährleistung vorüber war, bei uns konnte man zu einem unschlagbaren Superpreis reparieren lassen.

Für Autoradios gab es eine extra von mir entworfene Prüfbox mit einem starken Netzteil, einem eingebautem Lautsprecher, einer eingebauten Antenne und den verschiedensten Anschlußsteckern. Damit wurden beim Verkauf auch gleich die Autoradios vorgeführt. Unser Extra-Service (für 20 DM, später 20 €) bestand darin, daß ich gleich vor Ort das Gerät einbaute und durchprüfte. (Ich hatte ja alles Werkzeug der Welt... )

Falls jemand meiner Leser auch einen A+V oder eine KFZ-Werkstatt betreibt und Interesse an solch einer Autoradio-Prüfbox hat - bitte eine Nachricht hinterlassen und ich sende gern die Bauanleitung zu.

Zum Abschluss: Bitte aufpassen bei umstrittenen Sachen wie Fahrrädern, da geht schnell mal ein geklauter Drahtesel über den Ladentisch. Am Besten, nach Rahmencodierung oder Herkunft fragen. Auch ein gemaustes Handy sendet seine interne Kennung unauffällig in das Funknetz und kann geortet werden.

 

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